"Ich empfehle Hitsch Brosi zur Wahl, weil er ein offener und gradliniger
Mensch ist und viel von Erziehung und Kultur versteht.
"Privatdozent Chirurgie, USA
Dreisprachigkeit
Die Dreisprachigkeit mit ihrer Vielfalt an Idiomen und Dialekten ist die spezifische Eigenart des Kantons Graubünden. Eigentlich unser kulturelles Markenzeichen. Durch die starke geografische Kammerung, welche Talschaften bis weit ins 20. Jahrhundert als weitgehend in sich geschlossene Lebensräume bewahrte, konnte sich eine stark differenzierte Sprachlandschaft erhalten, welche aber in den letzten 50 Jahren von einem gewaltigen Erosionsprozess erfasst wurde.
Ein Prozess, welcher das Romanische in seiner Existenz bedroht. Die Chancen und Möglichkeiten den Prozess zu stoppen, müssen als äusserst gering eingeschätzt werden. Massnahmen, um den Prozess zu verlangsamen – im besten Fall sogar zu stoppen – wurden ergriffen und müssen weitergeführt und gezielt verstärkt werden.
Was sind die richtigen Massnahmen? – Mit dem Rumantsch Grischun (RG) wurde der Versuch gestartet, mit einer Einheitssprache den öffentlichen und schriftlichen Bereich zu stärken. Aussagen über den Erfolg wären noch verfrüht.
Was aber in romanischen Sprachgebieten, in welchen der Erosionsprozess schon soweit fortgeschritten ist, dass das Deutsche bereits die eigentliche Verkehrssprache ist? Die romanische Sprache wird vorab noch im Familien- und Bekanntenkreis, vielleicht noch im einen oder anderen Verein gepflegt. Hier kann eigentlich nur noch das Idiom gestärkt werden.
Die Schwierigkeit von Förderungsmassnahmen liegt in der sehr unterschiedlichen sprachlichen Situation, in welcher sich Regionen und Gemeinden befinden. Und sie liegt in der Akzeptanz der Massnahmen. Diese muss möglichst hoch sein, sonst werden Massnahmen schnell kontraproduktiv.
Die Autoren der Studie über das ‚Funktionieren der Dreisprachigkeit im Kanton Graubünden’ legen eine Reihe von Vorschlägen vor, die nun geprüft werden sollten. Dabei ist eine sehr enge Zusammenarbeit des Kantons mit den Sprachenorganisationen eine absolute Notwendigkeit.
Die Situation der italienischen Sprache im Kanton Graubünden ist weit weniger dramatisch. Hier geht es darum die sprachlich-kulturellen Eigenheiten der Südtäler zu stärken. Mit der Einführung der italienischen Sprache als erste Fremdsprache in Deutschbünden wurde ein Schritt eingeleitet, der diese Sprache in der kantonalen Öffentlichkeit stärken wird. Dieser Effekt wird aber erst in einigen Jahren eintreten.
In Deutschbünden zeigt sich eine starke Bedrohungslage für die Walserdialekte, aber auch andere Dialekte flachen ab.
In Zusammenarbeit mit den Sprachenorganisationen werden Massnahmen ergriffen, eine Umkehr des Erosionsprozesses wird aber nicht zu erreichen sein.
Tgi che sa rumantsch sa dapli! – Vor gut einer Generation hat man sich noch fast geschämt, Romanisch, aber auch die italienischen Südbündner- oder die Walser- Dialekte zu sprechen, weil man dies als hinterwäldlerisch betrachtete. Heute ist man stolz darauf. Das ist schon einmal ein wichtiger Schritt.
Unsere sprachlich-kulturelle Identität ändert sich dramatisch. Trotzdem wollen wir sie nicht aufgeben oder wegwerfen, sondern nach Möglichkeit wahren.
Das Sprachengesetz des Kantons Graubünden ist ein richtiger und entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Aber auch ein Gesetz stoppt den Erosionsprozess nicht!







